Beyond Border – Aftermath
VÖ 27.03.2026
Rezension von Tanja
Manchmal braucht es drei Akte, um eine Geschichte vollständig zu erzählen. Awakening legte das Fundament, Gathering baute die Mauern hoch und nun steht mit Aftermath das finale Kapitel vor uns, das uns zeigt, was passiert, wenn der Staub sich legt. Beyond Border haben sich seit 2019 unermüdlich durch die Szene gespielt, getanzt und produziert. Kai „Iggi“ Vincenz Németh, Michael „Deity“ Deiters und Live-Keyboarder René Brandt legen nun den Schlussstein ihrer Welcome To The Future-Trilogie. Erneut stand mit Rob Dust ein Mann an den Reglern, dessen Handschrift längst als Gütesiegel gilt. Am 27. März 2026 erscheint das Werk via NoCut als Doppel-CD, wobei die zweite Scheibe stolze zwölf Remixes beherbergt. Doch bevor wir reinhören, muss mir noch etwas vom Herzen.
Auf den Social-Media-Kanälen vom Mera Luna kursierte vor einiger Zeit ein Ausschnitt von Beyond Borders Live-Auftritt, der so unglücklich gewählt war, dass er regelrecht dazu einlud, die Band zu zerreißen. Und genau das geschah dann auch in den Kommentarspalten. Wer bewusst einen solchen Moment herausgreift, um Polarisierung zu erzeugen und damit Retention auf Kosten einer Band zu generieren, die jeden Support gebrauchen kann, hat bei mir verspielt. Diese Praktiken sind schändlich, gerade in einer ohnehin schon äußerst schwierigen Musikwelt für kleinere Bands. Umso wichtiger ist es, sich das Gesamtbild anzuhören. Und genau das tun wir jetzt.
To Hell And Back eröffnet das Album mit einem geradezu epischen Intro, das sich Zeit nimmt, eine Atmosphäre aufzubauen, die dem monumentalen Titel alle Ehre macht. Gute sieben Minuten gönnen sich Beyond Border hier und verschmelzen Intro und Song zu einer Einheit, die einen sofort in ihren Bann zieht. Der Refrain bietet eine wunderbare Harmonie, die sich augenblicklich im Gehör festsetzt. Iggis Stimme entfaltet hier ihre ganze Wärme und man hört einfach gern zu. Rob Dusts Handschrift ist unverkennbar und verleiht dem Track jene Tiefe, die man von ihm kennt und schätzt. Nicht umsonst wählte die Band diesen Song als fünfte und letzte Vorab-Single, denn er gehört zweifellos zu den stärksten Momenten des gesamten Albums.
Mit Machines (Hello Goodbye) folgt die erste Auskopplung, die seinerzeit den Startschuss für die Album-Kampagne gab. Clubtauglich und mit einem Refrain, der sich sofort einbrennt. Thematisch widmen sich Beyond Border hier der Frage, wohin uns die Technologie führt und ob Künstliche Intelligenz Segen oder Fluch bedeutet. Ein flotter Dancetrack auf gehobenem Niveau, auch wenn die zahlreichen Wiederholungen des Refrains auf Dauer etwas an Wirkung einbüßen.
War bringt erstmals deutlich hörbare E-Gitarren-Elemente ins Spiel und verleiht dem allgegenwärtigen Thema Krieg damit eine zusätzliche Härte. Iggi zeigt sich gesanglich von seiner vielseitigsten Seite, wechselt zwischen tiefen, rauen Passagen und melodiösen Höhenflügen. Der Einstieg erinnert in seiner Intensität kurz an Diary of Dreams, ehe der Refrain wieder jene unverwechselbare Beyond Border-Signatur offenbart. Kreativ und durchaus tanzbar behandelt der Song ein Thema, das schmerzlich am Puls der Zeit liegt.
Bei Let Me In wird das Tempo leicht gedrosselt. Eine schöne, dennoch tanzbare Nummer, die zum Dahinschweifen einlädt. Besonders der Abgang verdient Beachtung, wenn sich orchestrale Streicher wie ein sanfter Mantel über den Song legen. Hier schimmert für einen kurzen Moment etwas von Lights of Euphoria durch, was durchaus als Kompliment zu verstehen ist.
Prayer wurde ebenfalls bereits vorab veröffentlicht und zeigt Beyond Border von einer nachdenklichen Seite. Textlich geht es um innere Einkehr, um das Loslassen von Schmerz und das Versprechen an sich selbst, sorgsamer mit dem eigenen Leben umzugehen. Musikalisch fällt vor allem die stark abweichende Drumline auf, die sich deutlich von den bisherigen Songs absetzt. Insgesamt solide, aber der Refrain vermag sich nicht ganz so tief einzubrennen wie bei den stärkeren Tracks des Albums. Leise Spuren von E-Gitarre setzen auch hier wieder dezente Akzente.
Last Dance zieht das Tempo spürbar an und bringt mit Xavier Morales von Ruined Conflict einen Gastsänger an Bord, der naturgemäß gewisse VNV Nation-Vibes mitbringt. Diese Abwechslung tut dem Album an dieser Stelle ausgesprochen gut. Die Energie zwischen den Stimmen erzeugt eine reizvolle Dynamik und auch der auf der zweiten CD enthaltene Remix von Ruined Conflict weiß zu überzeugen.
Come Undone bremst das Tempo wieder herunter und setzt erneut auf Gitarrenelemente, die sich zunehmend als festes Stilelement im Kosmos von Beyond Border etablieren. Solide Synthpop-Kost, schön vorgetragen von Iggi, die jedoch etwas zu generisch geraten ist, um wirklich aus dem Album herauszustechen.
Lost Inside hingegen gehört für mich zu den stärksten Nummern des gesamten Werks. Die Verses bestechen durch eine wunderbare Detailarbeit in der Produktion, und der Refrain ist einer jener Momente, in denen man das Handy oder Feuerzeug schwenken möchte. Beyond Border öffnen hier die Tür zu einer zutiefst emotionalen Klanglandschaft aus Selbstzweifeln, innerem Aufruhr und dem Kampf gegen das eigene mentale Labyrinth. Melancholische Melodien verweben sich mit treibenden Elektro-Beats, während pulsierende Synths und Iggis eindringliche Stimme die zentrale Frage stellen: Wie findet man zurück, wenn man sich selbst verloren hat? Der Track balanciert Verletzlichkeit und Stärke und entpuppt sich als eine Hymne der Wiederentdeckung, ehrlich, intensiv und getaucht in hoffnungsvolle Dunkelheit.
Absolution kommt mit deutlich mehr Härte und Tempo um die Ecke und startet zunächst über eine gute Minute rein instrumental und absolut clubtauglich. Iggis Gesang wird passend mit etwas Verzerrung unterlegt. Besonders beeindruckend ist, wie sich der Song im Refrain öffnet und richtig guten Futurepop bietet. Auch die Übergänge zeugen von Kreativität und professionellem Handwerk. Diesen Song hört man immer wieder gern, und das ist stets ein gutes Zeichen. Richtig bemerkenswert ist zudem das Ende, das in ruhigen Flächen und beinahe unschuldig klingenden, kindergleichen Chören ausklingt. Wir erleben eine großartige Transformation innerhalb eines einzigen Tracks.
I Fall zählt zu meinen drei absoluten Favoriten auf diesem Album. Mit Javi Ssagittar, dem Sänger und Gründer der spanischen Elektro-Industrial-Band Terrolokaust, betritt ein weiterer Gastsänger die Bühne. Seine starke und glaubhafte Gesangsperformance ist in ein energetisches Songkonstrukt gebettet, das unter die Haut geht. Der Refrain sitzt, die Intensität stimmt, hier passt einfach alles zusammen.
Church beginnt passend mit gregorianischen Gesängen und offenbart nach einer guten halben Minute sein elektronisches Mid-Tempo-Gewand. Soundtechnisch qualitativ und gesanglich solide vorgetragen, vermag der Song allerdings nicht wirklich zu packen. Er ist nicht schlecht, fühlt sich aber ein wenig wie ein Albumfüller an, dem es an echten Highlights und Ohrwurmpotenzial mangelt.
Twisted Love beschließt das eigentliche Album und tut dies auf famos synthpoppige Weise. Schöne Depeche Mode-Vibes schwingen mit und auch textlich scheint mit der Erwähnung eines Broken Frame eine bewusste Referenz zu erklingen. Eine Nummer, die man immer wieder gerne hört und die das Album mit einem Hauch von Eleganz verabschiedet.
Auf der zweiten CD folgen dann stolze zwölf Remixes, ebenso viele wie das Album Tracks besitzt. Da ist jemand bestens vernetzt in der Szene. Insbesondere der Mesh-Remix von Prayer verdient besondere Erwähnung, aber auch der bereits angesprochene Ruined Conflict-Remix überzeugt auf ganzer Linie.
Fazit:
Wenn Rob Dust und Iggi zusammenwirken, kann eigentlich nur Gutes entstehen. Mit Aftermath vollenden Beyond Border ihre Trilogie auf einem hohen Niveau. Das Album bietet viele anspruchsvolle elektronische Leckerbissen, mutige Gastbeiträge und eine hörbare Weiterentwicklung. Kleinere Durchhänger und eine Gesamtproduktion, die in den Höhen auf Dauer etwas in den Ohren brennt, trüben das Gesamtbild nur minimal.
Die Rezension
Aftermath
Wenn Rob Dust und Iggi zusammenwirken, kann eigentlich nur Gutes entstehen. Mit Aftermath vollenden Beyond Border ihre Trilogie auf einem hohen Niveau. Das Album bietet viele anspruchsvolle elektronische Leckerbissen, mutige Gastbeiträge und eine hörbare Weiterentwicklung. Kleinere Durchhänger und eine Gesamtproduktion, die in den Höhen auf Dauer etwas in den Ohren brennt, trüben das Gesamtbild nur minimal.
PROS
- Herausragende Tracks wie To Hell And Back, Lost Inside und I Fall, die emotional und musikalisch unter die Haut gehen.
- Gelungene Gastbeiträge von Xavier Morales und Javi Ssagittar, die dem Album willkommene Abwechslung und frische Energie verleihen.
- Die üppige Remix-CD mit zwölf Tracks zeigt die hervorragende Vernetzung der Band und bietet echten Mehrwert, allen voran der Mesh-Remix von Prayer.
CONS
- Einzelne Tracks wie Church und Come Undone bleiben etwas blass und erreichen nicht die Intensität der stärkeren Albummomente.
- Die Produktion neigt in den Höhen des Masters zu einer gewissen Schärfe, die bei längerer Hördauer spürbar wird.
Fazit
- Songwriting & Komposition 0%
- Produktion & Sounddesign 0%
- Stimmung & Atmosphäre 0%
- Originalität & Wiedererkennungswert 0%
- Abwechslung & Dynamik 0%







