ULTRA SUNN – The Beast in You (2025)
Rezension von Tanja
Wenn ein Album dich nicht nur zum Tanzen bringt, sondern dich innerlich vibrieren lässt – dann ist es mehr als Musik. The Beast in You von Ultra Sunn ist genau das: eine Reise ins Innere, ein Tanz mit dem eigenen Schatten, ein leuchtendes Bekenntnis zur Dualität des Menschseins.
Das belgische Duo Sam Huge und Gaelle Souflet bleibt seinem typischen Sound treu – dunkle Beats, kühle Eleganz, emotionaler Tiefgang – und schafft es dennoch, diese Formel auf ihrem neuen Werk zu verfeinern. The Beast in You ist kein lautes Album. Es ist ein Album, das wächst, sich aufbaut und Schicht für Schicht seine Seele freilegt.
Der Opener „The Beast in You“ zieht einen sofort hinein – pulsierend, mystisch, fast wie ein Ritual. Der Song wirkt wie eine Selbstbegegnung im Spiegel: roh, fragend, fesselnd. Er eröffnet das Thema des Albums – das Akzeptieren und Freisetzen der inneren Kraft, die man zu lange gezähmt hat. Der Song ist sicher einer der clubtauglichsten auf dem Album und kommt mit über 300K Plays auf Spotify (Stand Oktober 25) sichtbar gut an.
„Fluorescent Sun“ bricht dann in hellem Licht auf. Ein Song, der gleichzeitig kühl und wärmend wirkt – als würde man durch die Nacht laufen und irgendwo zwischen Neonlichtern und Erinnerungen die eigene Hoffnung wiederfinden. Der Gesang von Sam Huge (hier glasklar produziert) schwebt zwischen Distanz und Nähe. Das ganze Soundkonstrukt hat ein wenig VNV Nation-Vibes. Einer der stärksten Songs des Albums. Top!
„Wrong Floor“ bringt den Körper ins Spiel. Ein treibender Beat, düstere Bassläufe, ein Sound zwischen EBM und modernem Electro. Der Track hat diese typische Ultra-Sunn-Spannung – mechanisch und menschlich zugleich. Man spürt den Druck, aber auch das Leben darunter.
Mit „Hard Feeling“ wird es persönlicher. Der Song erzählt von Zurückhaltung, innerem Schmerz und der Kunst, Emotion nicht zu verstecken, sondern zu kanalisieren. Für mich ist das einer der emotionalsten Momente auf dem Album – er trägt eine zarte, melancholische Schönheit in sich.
Dann folgt mit „Fever and Denial“ eine fast schon fiebrige Energie – ein Tanz am Rande des Kontrollverlusts. Der Song lebt von seiner rhythmischen Spannung und der Mischung aus Verlangen und Beklemmung.
„L.A. Drags“ ist tanzbarer, direkter – ein urbaner Nachtspaziergang, glänzend und gefährlich zugleich. Ultra Sunn zeigen hier ihre Electro-Pop-Seite, ohne sich anzubiedern. Alles bleibt stilvoll, kühl, aber niemals leer.
Mit „Sugar Crash“ wird es wieder intensiver, fast aggressiv. Ein Song wie ein kurzer Stromschlag – schnell, kantig, fordernd. Danach überrascht „You Came With a Blade“ mit einer starken Lead-Einlage, die auf Dauer ein wenig nerven kann aber auch gleichzeitig für elektrisierende Partyatmosphäre sorgt. Kalte Beats treffen auf mächtige düstere Vocals – ein Song wie aus einem düsteren Liebesfilm, irgendwo zwischen Blade Runner und romantischem Wahnsinn.
„Guardian of Your Dreams“ bringt ein bisschen Hoffnung zurück. Ein wenig EBM-Vibes, ein fließender Groove – es ist der Moment, in dem sich Dunkelheit und Zuversicht umarmen.
Den Abschluss bildet „Golden Vein“ – und er könnte kaum passender sein. Es ist ein Song über das, was bleibt: Stärke, Verletzlichkeit, Leben. Ein goldener Faden, der sich durch das ganze Album zieht. Ein Finale, das glänzt, aber nicht blendet.
Ultra Sunn beweisen mit The Beast in You, dass elektronische Musik weit über Tanzflächen hinausreichen kann. Es geht um Identität, um Nähe, um den Mut, sich selbst zu begegnen – mit allen Ecken, Kanten und Narben. Und obwohl mein persönlicher Favorit „Keep Your Eyes Peeled“ (aus einer früheren Ära der Band) bleibt, gibt es hier gleich mehrere neue Elektroperlen, die daran kratzen: Fluorescent Sun, Hard Feeling und Golden Vein sind Songs, die bleiben – im Ohr, im Kopf und irgendwo dazwischen.
Die Rezension
The Beast in You
Mit The Beast in You zeigen Ultra Sunn, dass Dunkelheit nicht Feind, sondern Ursprung ist. Ein eindringliches, emotionales Electro-Album, das unter die Haut geht und gleichzeitig zum Tanzen zwingt – elegant, tief, hypnotisch.
PROS
- Emotionale Tiefe trifft auf clubtaugliche Beats
- Perfekte Balance aus EBM, Darkwave und Synthpop
- Eine dichte, fast filmische Atmosphäre, die in jedem Track mitschwingt
CONS
- Die ganz großen Club-Hits fehlen etwas
- Die konsequente Klanglinie überzeugt, lässt aber an manchen Stellen etwas Raum für Variation vermissen.
Fazit
- Songwriting & Komposition 0%
- Produktion & Sounddesign 0%
- Stimmung & Atmosphäre 0%
- Originalität & Wiedererkennungswert 0%
- Abwechslung & Dynamik 0%







